Sie sind hier: Presse & Medien » 

Abteilung Kommunikation

Erwinstraße 7
30175 Hannover

Telefon:
+49 511 28000-480

Telefax:
+49 511 28000-477

Kontaktseite

Verbesserungen bei Kitas, Pflege und Integration: Freie Wohlfahrtspflege präsentiert Wunschliste für die Landesregierung

13.02.2018 14:48

(02/2018)

Hannover. Am Neujahrsempfang der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen (LAG FW) nahmen gestern Abend in Hannover rund 100 Verbandsvertreter und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur teil. Im Fokus standen die Ausführungen von Sozialministerin Dr. Carola Reimann. In der LAG FW sind die sechs Spitzenverbände - Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk, Paritätischer und Jüdische Wohlfahrt - zusammengeschlossen. Sie repräsentieren mehr als 230.000 hauptamtlich Beschäftigte und rund 500.000 ehrenamtliche Helfer. Da die Verbände landesweit rund 6.000 soziale Einrichtungen, Beratungsstellen und Dienste betreiben sowie Träger von Kitas, Altenheimen, Kliniken und Flüchtlingsheimen sind, formulierte zunächst Dr. Ralf Selbach, Vorstandsvorsitzender des DRK-Landesverbandes Niedersachsen, als neuer turnusmäßiger Vorsitzender der LAG FW, Erwartungen an die Landesregierung. Mehr Geld für die Pflege und zweiter Arbeitsmarkt für MIgranten "Wir setzen uns für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den sozialen Frieden in unserem Land ein", erklärte Selbach. Dabei stehe insbesondere der benachteiligte Mensch im Mittelpunkt - von der frühkindlichen Bildung bis zu einem sinnstiftenden und würdevollen Altern.
Dem quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung müsse daher nun mit gleicher Landesförderung die qualitative Verbesserung mit kleineren Gruppengrößen und längeren Verfügungszeiten folgen. Angesichts einer alternden Gesellschaft würden qualifizierte Pflegekräfte wie auch attraktivere Arbeitsbedingungen dringend gebraucht. "Daher erhoffen wir uns von der neuen Landesregierung neue Initiativen für eine auskömmliche Finanzierung der Pflege", so Selbach. Bundesweit 8.000 neue Stellen in der Altenpflege seien bei weitem nicht ausreichend. In Bezug auf die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes erwarte die LAG FW zeitnahe Entscheidungen und einen realistischen Weg der Bedarfsermittlung unter Einbeziehung der Wohlfahrtspflege. "Schlüssel für die Integration von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund sind vor allem Sprache und Arbeit." Daher hält es der LAG FW-Vorsitzende für dringend geboten, Zugänge für einen sogenannten zweiten Arbeitsmarkt zu schaffen. Menschen mit geringem Qualifizierungsgrad könnten so die Chance erhalten, für ihren Lebensunterhalt mit zu sorgen. Bei den Lebensverhältnissen in den EU-Mitgliedsstaaten gebe es noch erhebliche Unterschiede. Die EU müsse daher ihre Kohäsionspolitik auch in der nächsten Förderperiode sozial gestalten und finanziell gut absichern. Der Brexit dürfe nicht zu Verschlechterungen bei sozialer Ausgrenzung und Integrationsförderung, Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit führen. "Niedersachsen muss sich für eine Ausweitung, zumindest aber Sicherung, des bisherigen Fördervolumens stark machen", fordert Selbach.


LAG der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e.V.n Grupenstr. 4 n 30159 Hannover Telefon 0511 - 85 20 99 n Fax 0511 - 283 47 74 n www.lag-fw-nds.de

Sozialministerin Dr. Carola Reimann vertrat als Gastrednerin den bei der GroKoSchlussrunde weilenden Ministerpräsidenten Stephan Weil. Den Wohlfahrtsverbänden und den rund 500.000 Ehrenamtlichen dankte sie für ihr soziales Engagement - als "unverzichtbarer Partner des Landes".

Die Ministerin verwies auf das 800 Millionen Euro umfassende Programm zum Abbau des Investitionsstaus in Krankenhäusern. Bereits im letzten Quartal 2017 seien über 650 Millionen Euro daraus bewilligt worden, davon rund 250 Millionen Euro für Krankenhäuser in freier, gemeinnütziger Trägerschaft.

Zu der Tatsache, dass die über 65-Jährigen heute rund 20 Prozent der Bevölkerung in Niedersachsen ausmachen und ihr Anteil bis 2030 bei knapp 30 Prozent liegen wird, erklärte sie: "Wir müssen zu einer konzertierten Aktion Pflege kommen." Das könne niemand allein stemmen. Themen wie Fachkräftesicherung, verbesserte Tarife, Zurückgewinnung von Wiedereinsteigern in den Beruf, Umwandlung von Teil- in Vollzeitstellen hätten größte Priorität. Zudem müsse für die vollstationären Pflegeeinrichtungen eine Verbesserung der Personalschlüssel erreicht werden.

Nach einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) vom 16. Januar 2018 liegt Niedersachsen bei den Bruttoarbeitsentgelten von Pflegekräften mit 2.424 Euro monatlich an letzter Stelle aller westdeutschen Länder. Der Bruttomonatsverdienst in Baden-Württemberg beträgt 2.937 Euro. Dazu erklärte Reimann: "Wir müssen massiv für den Pflegeberuf werben." Zudem sprach sie sich für einen "Tarifvertrag Soziales" aus. Laut Koalitionsvertrag sollen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erleichtert werden.

Die Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen liege nach aktueller Statistik bei 16 Prozent, vor allem Kinder und Jugendliche unter 18 sind zu 21,1 Prozent von Armut betroffen. Als signifikante Risikogruppen gelten ferner Alleinerziehende und ihre Kinder mit 44,9 Prozent und Erwerbslose mit 54,7 Prozent, führte die Ministerin aus. "Wir sind ein so reiches Land, das sich aber in Arm und Reich geteilt hat", so Reimann. Die Kindergrundsicherung sei daher ein Thema, für das sie sich engagieren wolle. Auch für Wohnungslose stünden eine Million Euro im Nachtragsetat des Landes.

Reimann setzte sich außerdem für die konsequente Umsetzung der Inklusion ein, gemäß den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention. Abschließend wünschte sie sich eine "enge Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden, um auch beim Thema Digitalisierung gemeinsam Potentiale für soziale Innovationen zu heben".

13.02.2018 14:48. Alter: 7 days